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Verena Reichmann ist in der Kategorie "JUNGE TALENTE" für KÄRNTNERIN DES JAHRES nominiert.

Verkündet und ausgezeichnet werden die „Kärntner des Jahres“...

KÄRNTNERIN DES JAHRES VOTING

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Ich wurde vergewaltigt (und niemand hilft)

March 16, 2018

 

Anklage an den Jugendschutz:

 

Sehr geehrte Gutachter/Gutachterinnen,

 

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wissen Sie nicht mehr wer ich bin, denn bei so vielen Mädchen verliert man sehr schnell einmal den Überblick. 

Am 19. Juni 2017 waren Sie die Person, die mir die denkbar unangenehmsten Fragen gestellt hat, was Ihnen nicht zu verübeln ist. Weiters ist es Ihnen nicht zu verdenken, dass Sie jede Frage in etwa dreimal gestellt haben, zumindest die unangenehmsten. Mir ist durchaus bewusst, dass Sie Anweisungen zu befolgen hatten. Obzwar ich heilfroh war als diese quälenden Stunden endlich vorbei waren, war die darauf folgende Zeit nicht einfach. Dennoch habe ich mich wieder aufgerappelt. Mir wurde ja immerhin versprochen, nie wieder solche Fragen beantworten zu müssen. 

 

ver°spre°chen 

Verb (mit OBJ.)

 

(jmd. verspricht jmdm. etwas Akk.)

 

etwas verbindlich zusichern oder erklären.

 

>>... bei denen muss man ja bekanntlich vorsichtig sein, wenn es um versprechen geht. Einige Erwachsene glauben nämlich, dass sich „versprechen“ von „Ich habe mich versprochen“ ableitet und wenn man von diesem Standpunkt aus mit versprechen um sich wirft sollte man lieber still sein. Oder Politiker werden.<<- Lilly Linder in „Was fehlt wenn ich verschwunden bin“, Seite 81, letzter Absatz.

 

 

Einige Wochen später, als ich mich wieder so halbwegs gefangen hatte, kam dann Ihr Anruf am 17. August. Sie würden am Dienstag noch einige Tests mit mir machen. Da mir zugesichert wurde, dass ich mit dieser Sache nichts mehr am Hut hätte, war ich sehr verwirrt/verwundert, aber noch mehr hatte ich Angst. Angst vor möglichen Belastungen und unangenehmen Fragen. Diese Angst wurde mir jedoch genommen als mir abermals versichert wurde, dass es nichts gäbe, wovor ich mich fürchten musste. Es würden lediglich einige Tests gemacht werden. So weit, so gut. Abgesehen vom Kopfrechnen war auch nichts Unangenehmes dabei. Als Sie bei der Verabschiedung erwähnten, Sie würden sich melden, sollten Sie noch etwas brauchen, nahm ich dies mit dem Gedanken, dass das einfach so daher gesagt war, hin.

Am Tag darauf dann der nächste Anruf. Natürlich brauchten Sie noch etwas. Im Grunde habe ich mir diesmal keine Sorgen gemacht. Nur noch ein paar Test dann wären wir fertig. Immer wieder rief ich mir diese Versprechen in Erinnerung und konnte mich so beruhigen. Gut, falsch gedacht. Keine Multiplikationen oder Fragebögen, dafür wieder Fragen. Fragen von welchen mir versprochen wurde, sie nie wieder beantworten zu müssen. Auf die Frage, wieso solche Fragen denn noch einmal notwendig wären, antworteten Sie, dass diese aus der vorherigen Vernehmung nicht klar hervorgegangen wären. In diesem Moment war ich zu perplex um das Gesagte in Frage zu stellen und so wurde mir erst im Nachhinein bewusst, dass dies nicht ganz der Wahrheit entsprechen konnte. Beispiel: Die Frage, wie oft der Geschlechtsverkehr vollzogen wurde, um Ihre Worte zu verwenden. Diese Frage wurde mir in etwa fünf Mal gestellt und somit auch auf Video aufgezeichnet. Außerdem haben Sie jedes Mal als ich diese Frage beantwortete einen weiteren Kreis um die Zahl gekritzelt, welchen Sie notierten als ich Ihnen diese Ziffer zum ersten Mal nannte. 

Als ich nach Fragen wie: „Wie viele Finger waren es?“ und „Welche Konsistenz und Farbe hatte dein Blut?“ dachte die eigentlich ekelhaften Fragen waren vorbei, belehrten Sie mich eines Besseren. „Hast du ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber? Das sind ja schon sehr schwere Anschuldigungen, die du da machst und er könnte dafür ins Gefängnis gehen.“, hallt es noch immer in meinem Kopf nach. Ich bin fassungslos. Noch immer.

Ja, mir ist sehr wohl bewusst, dass dies sehr schwere Anschuldigungen sind. Ich habe es schließlich erlebt und ja, er könnte dafür ins Gefängnis gehen. Das war auch ehrlich gesagt meine Absicht, als ich beschloss, die Sache zur Anzeige zu bringen. Für meine Begriffe wäre überdies auch eine Gefängnisstrafe nicht ausreichend. Die Erinnerungen, Bilder und Gedanken sind seit Jahren in mir Gefangen und daran kann auch kein Urteil etwas ändern. 
Natürlich haben Sie nur Ihre Arbeit gemacht und Anweisungen befolgt. Vertrauen zu fassen ist nicht meine Stärke. Dennoch hatte ich das Gefühl, ich könnte auf die mir gemachten Versprechen vertrauen. 

 

 

Zur Information:

Dieser Brief wurde von einer 16-jährigen Schülerin verfasst, die inzwischen jede Hoffnung verloren hat. Auch wenn dieser Brief nicht dezidiert an das Schulsystem gerichtet ist, zeigt er dennoch, wie solche Systeme funktionieren. Systeme, die Täter beschützen und Opfer verurteilen. Systeme, die alle zurücklassen, die Hilfe brauchen. Man kann sich vorstellen, dass es nach solchen Erlebnissen nicht leicht ist, das Schulleben trotzdem zu meistern, vor allem wenn man vom Schulsystem für solche "Fehler im System" ausgelesen wird. Diesen Brief schrieb das Mädchen nach der ersten kontradiktorischen Einvernahme. Zu diesem Zeitpunkt standen die Chancen zur Gerechtigkeit noch relativ hoch, weil durch das Gutachten eindeutig bestätigt wurde, dass das Mädchen die Wahrheit sagt. Es kam zur Anklage und somit zur Hauptverhandlung, der Täter wurde plötzlich und unerwartet nach neun Stunden Verhandlung frei gesprochen.

Bei nicht einmal 13% der minderjährigen sexuell Missbrauchten kommt es überhaupt zu einer Anklage.

 

 

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